Das Gebäude, Baujahr 1966, besaß ein weit auskragendes, flach geneigtes Dach und verwinkelte Grundrisse. Eine Dämmung war kaum vorhanden, und die Räume dementsprechend schlecht zu beheizen. Das Dachgeschoss bot zwar viel Stau-, aber nur wenig Wohnraum. Der Bauherr Jodok Simma hatte den eineinhalbgeschossigen Ziegelbau von Verwandten erworben, jedoch rasch festgestellt, dass er sich für zeitgemäßes Familienwohnen nicht länger eignete.
Mit der Planung und dem Umbau selbst ließen sich die Bauherrenfamilie und ihr Architekt Georg Bechter vier Jahre Zeit. Genug, um auch die Frage »Abriss oder Umbau« sorgfältig abzuwägen. Den Ausschlag dafür, zumindest das Untergeschoss und Teile des Erdgeschosses zu erhalten, gaben letztlich ökologische und ökonomische Motive. Große Teile des Hauses sollten in Eigenleistung entstehen – dies ließ sich bei einem Umbau leichter bewerkstelligen als bei einem vollständigen Neubau.
Nur Erdgeschoss und Keller blieben erhalten
Von außen ist der Altbau unter der neuen Schindelhülle kaum wiederzuerkennen. Sein Obergeschoss wurde komplett abgetragen und durch ein neues, höheres in Holzrahmenbauweise ersetzt. Sogar der Dachfirst wurde hierbei um 90 Grad gedreht; er verläuft nun in Nord-Süd- statt in Ost-West-Richtung. Das Dach besteht aus langen, schlanken Holzkastenelementen, die bereits in der Zimmerei mit einer Dämmung aus fast 80 cm Strohballen gefüllt wurden. Die Holzrahmenelemente, die die Obergeschosswände bilden, sind ebenfalls vorgefertigt, wurden jedoch erst auf der Baustelle gedämmt. Das Gleiche gilt für die Erdgeschosswände, wo das alte Ziegelmauerwerk hinter der Strohballendämmung erhalten blieb.
Die Wandverkleidungen außen und innen, die Fußböden und Fensterrahmen bestehen aus Vorarlberger Nadelholz, das der Bauherr selbst im Wald schlug und einheimischen Handwerkern zur Weiterverarbeitung anvertraute. Für die Fassaden verwendete er Fichte, für den Innenausbau Weißtanne. Die Holzschindeln sind verglichen mit ihren historischen Vorbildern außergewöhnlich groß, wurden jedoch wie diese per Hand gefertigt.
Ohne historische Parallele im Vorarlberger Holzbau sind hingegen die schrägen Fensterlaibungen. Angesichts von Wandstärken bis über 80 Zentimeter waren sie notwendig, um Tageslicht ins Haus zu holen. Die Fenster haben – mit Ausnahme der bodentiefen Terrassenfenster – Einheitsformat. Sie wurden jedoch teilweise als stehende, teilweise als liegende Formate eingebaut und sind unterschiedlich innerhalb der Laibungen positioniert, so dass sich ein belebtes Fassadenbild ergibt.
Der Haupteingang führt nun nicht mehr von Norden, sondern von Süden ins Haus. Eine Art wetterfester Gartenschrank aus anthrazitfarbenen Faserzementplatten trennt die Eingangspartie von der benachbarten Südterrasse und bietet Stauraum für Kinderwagen, Terrassenmöbel und Briefkasten.
Auch im Erdgeschoss fand eine Rochade statt: Die Küche mit Essbereich liegt nun im Osten, an der Stelle des einstigen Schlafzimmers. Den Platz der alten Küche nimmt ein Arbeitszimmer ein. Gleich hinter dem Eingang öffnet sich ein zweigeschossiger Luftraum, der als Garderobe dient und die beiden Ebenen miteinander verknüpft. Im Obergeschoss grenzt daran eine offene Galerie mit dem Arbeitsbereich der Hausherrin.
Die Innenräume glichen schon vor dem Umbau einem Puzzlespiel. Georg Bechter führte dies fort, indem er lediglich die Fassaden mit ihren Vor- und Rücksprüngen begradigte, die relative Kleinteiligkeit der Innenräume jedoch weitgehend bewahrte. Mehr noch: Er führte die Raumverschachtelung auch in der dritten Dimension fort. Die Raumhöhe von 2,20 Metern im Erdgeschoss blieb in den meisten Räumen erhalten. Im Wohnzimmer jedoch fügte Bechter eine neue, um 60 Zentimeter höher gelegene Massivholzdecke ein. Der Höhenversprung ist auch im Obergeschossfußboden sichtbar. Derartige, an Adolf Loos erinnernde Raumplan-Sequenzen sind heute vermutlich nur noch bei Umbauten realisierbar und rational zu begründen.
Auch wenn das Haus viele überraschende Nischen und Winkel bereithält, wirken die Räume nirgends eng, verwinkelt oder düster. Wo nötig, entstanden neue Durchgänge und Durchblicke. Im Obergeschoss sind lediglich die drei Schlafzimmer als geschlossene Volumina in den ansonsten offenen Großraum hineingestellt. Dachfenster spenden Tageslicht von oben.
Holzbau ohne Purismus: die Innenräume
Während das Haus nach außen hin als vermeintlich reiner Holzbau in Erscheinung tritt, herrscht in den Innenräumen eine größere Materialvielfalt. Die Oberflächen wurden in einer Palette aus vier Farben gestaltet: Wände, Schränke und die Böden im Obergeschoss bestehen aus hellem Massivholz, die Decken aus weiß verspachtelten Gipskartonplatten, im Eingangsbereich liegt ein schwarzer Gussasphaltboden. Er gab zugleich die Farbe vor für die prägnanten Fensterrahmungen, die aus schwarz lackierten Gipsfaserplatten bestehen. Die gleiche, lichtschluckende Tönung besitzt der zweigeschossige Toilettenblock, um den herum sich die Treppe ins Obergeschoss emporwindet. Er reicht nicht bis zum Dach, sondern ist oben nur mit einer Glasplatte abgedeckt und erhält dadurch ebenfalls Tageslicht durch ein Dachfenster über der Treppe.
Als vierte Farbe – und einzigen farblichen Akzent – wählte Georg Bechter Grasgrün. Mehrere Teppiche, die ins Wohnzimmer führende Schiebetür aus Filz und der voluminöse Kachelofen im gleichen Raum haben diese Farbe. Im Obergeschoss verdienen zwei weitere Materialien Erwähnung: Das Bad ist lediglich durch eine Trennwand aus Klarglas vom Flur abgetrennt – ungehinderte Ein- und Ausblicke inklusive. Sollte später doch noch der Bedarf nach Sichtschutz entstehen, ließen sich Scheiben einfach (und reversibel) mit Folie bekleben.
Die drei Schlafzimmer im Obergeschoss erhielten einen relativ groben Lehmputz, der üblicherweise als Unterputz verwendet wird. Überall in den Wänden sind noch die Strohhalme erkennbar, die ihn vor Rissen schützen sollen. Das Naturmaterial zeigt seinen Charakter überdeutlich und unverschleiert.
Mit Passivhauskomponenten saniert
In dem beinahe auf Passivhausniveau gedämmten Haus ist der Kachelofen im Wohnzimmer die einzige Wärmequelle für die Raumwärme. Heizkörper oder Fußbodenheizungen gibt es nicht; die Wärme der Holzheizung verteilt sich frei im Gebäude. Für die Warmwasserbereitung wurde zusätzlich eine Luft-/Wasser-Wärmepumpe installiert, die die Innenraumluft im Keller als Wärmequelle nutzt.
Eine kontrollierte Be- und Entlüftung mit Wärmerückgewinnung senkt die Lüftungswärmeverluste auf ein Minimum. Die Frischluft wird im Garten angesaugt, durch einen 50 Meter langen Erdwärmetauscher geleitet und anschließend im zentralen Lüftungsgerät (Gegenstrom-Wärmetauscher mit Wärmerückgewinnungsgrad 75 %) mit der Abwärme aus der Abluft weiter erwärmt. Im Sommer kühlt das Erdregister die Zuluft. Im ersten Sommer lag ihre Temperatur nie über 17 °C. Im Haus verteilt wird die Luft über Bodenkanäle, die in den bis zu 22 Zentimeter starken Fußbodenaufbau integriert sind. Die Einblasöffnungen liegen knapp unter Kniehöhe in den Außenwänden; abgesaugt wird die Luft in den Toiletten, im Bad und in der Küche.
