Der historische City Park, im östlichen Zentrum Denvers gelegen, ist die größte Grünanlage der Stadt. Mit einer Grundfläche von 1,3 Quadratkilometern, weiten Grasflächen und Baumgruppen bietet er eine perfekte Kulisse für die »Luft-Architektur« Air Forest. Auf einer Lichtung entlang des zentralen Ferril-Sees ist im August 2008 anlässlich des Kunst- und Kulturevents »Dialog:City« der temporäre Pavillon entstanden. Das koreanische Architekturbüro Mass Studies hatte die Aufgabe, für die Dauer der Veranstaltung einen öffentlichen Erlebnisraum zu gestalten, der vor Sonne und Regen schützt und für unterschiedlichste Anlässe wie das Yoga Health Festival und die Abschluss-party des Gesamtevents genutzt werden kann. Um nach der Veranstaltung in der Natur keine Spuren zu hinterlassen, das Dach möglichst leicht bei kleinem Packmaß transportieren und möglichst schnell auf- und abbauen zu können, entschieden sich die Architekten für eine pneumatische Membrankonstruktion. Die Abmessungen sind beträchtlich: Auf einer Länge von 56 Metern und einer Breite von 25 Metern scheinen die künstlichen Baumkronen die natürliche Lichtung zwischen den Bäumen in 4 Metern Höhe zu schließen. Aus der Froschperspektive auf dem Rasen liegend erscheint die Dachstruktur unregelmäßig organisch. Nur in der Aufsicht wird die strenge Ordnung der Geometrie deutlich. Neun sechseckige Ringe sind wabenartig zu einem Kontinuum verbunden, wobei drei der kreisförmigen Innenfelder zum Himmel hin offen sind und sechs davon geschlossen. Die geschlossenen Dacheinheiten münden in ihrer Mitte in einen nach unten hängenden offenen Entwässerungsschlauch, die drei offenen Ringe sorgen für gute Durchlüftung und helle Sonneninseln. Die sechseckigen Waben haben an jeder Ecke eine Stütze. Durch Überlagerung mit dem Nachbarelement ergeben sich anstatt 54 nur 35 Stützen im Abstand von 5 Metern. Die pneumatische Konstruktion besteht aus einer zusammenhängenden transluzenten und luftdichten Nylonfolie. Die Oberfläche der Folie ist mit einem silberfarbenen Sonnenschutz-Punktraster bedruckt, das durch seinen unregelmäßigen Verlauf eine dynamische Struktur erzeugt. Bei Lichteinfall reflektiert dieses Muster die Farben der Umgebung und wirft - einem Blätterdach gleich - einen verspielten gesprenkelten Schatten auf die Besucher und den Boden. Um eine stabile Basis für die Gesamtkonstruktion zu gewährleisten, werden die sackartigen Stützenfüße mit Sand gefüllt. Über 14 der 35 Stützenfüße sind Gebläsemaschinen positioniert, die von einem Generator in der Nähe gespeist werden und über die gesamte Dauer der Installation von unten Luft in den Folienpneu einblasen. Zusätzlich befinden sich in diesen »Luftsäulen« am Fußpunkt Scheinwerfer, die den Pavillon bei Nacht in eine leuchtende Skulptur verwandeln und in den belebten Cocktailbars und bei Konzerten für eine stimmungsvolle Atmosphäre sorgen.
Das größte Schauspiel bietet jedoch der Aufbau des ephemeren Bauwerks, der jeden Passanten in Staunen versetzt. Sobald die beschwerten Stützenfüße und die Gebläse auf dem Rasen positioniert sind, wird die Membran flach ausgelegt und mit den schlauchartigen Stützen an die entsprechenden Fundamente angeschlossen.Schrittweise wird Luft in die synthetische Haut gepumpt, sodass sich langsam ein ständig veränderndes, erst schlaffes, dann pralles Gebilde aus Wülsten, Zipfeln und Kuppeln bildet, bis schließlich eine in 4 Meter Höhe schwebende Dachlandschaft auf Elefantenfüßen entsteht.
Der Pavillon ist so konzipiert, dass er sich den natürlichen Wettergegebenheiten anpasst und wie ein überdimensionales Thermometer wirkt. Auf einer imaginären Horizontalachse wankt er sachte im Wind hin und her und wird zunehmend labil, sobald sich die Luft am Abend abkühlt und der Luftdruck absinkt. Der Pavillon hinterlässt nach seinem Abbau keinerlei Spuren und ist zu 100 Prozent recycelbar.
Es gibt bereits zahlreiche Anfragen, den Air Forest für weitere Veranstaltungen zu buchen. So wird das temporäre Bauwerk vielleicht zu einem Musterbeispiel mobiler Architektur.