VII. Glasdächer
Um Licht in Dachräume zu bringen, werden in den Formen der üblichen Dachziegel Glasziegel hergestellt, die mit jenen eingedeckt werden können.
Wesentlich störender wirken in der Dachfläche liegende Dachfenster mit Blechrahmen. Sie haben aber den Vorteil, daß sie zur Lüftung geöffnet werden können.
Im Industriebau werden häufig breite einstockige Arbeitshallen verwandt, die sich von den Seitenwänden her nicht mehr genügend beleuchten lassen. Sie erhalten Oberlichter (Bild 340 a-e).
Solche Glasdächer müssen mit Rücksicht auf Dichtigkeit und Schnee mindestens eine Neigung von 45° erhalten. Sie werden meist als Satteldächer quer über flachgeneigte Pappdächer gesetzt oder als steile Flächen in eine Reihe von Sägedächern so eingeschaltet, daß die Fenster nach Norden gerichtet sind. Die übrige Dachfläche wird meist aus Bimsdielen hergestellt, die leicht sind und guten Wärmeschutz bieten.
Mit Rücksicht auf die Gefahr der Spiegelung (bei Fliegerangriffen) werden solche Glasflächen von Sägedächern heute häufig senkrecht gestellt (Bild 340 c). Wenn dabei auch der Lichteinfall im Vergleich mit dem schräger Fensterlage verschlechtert wird, so wird andererseits die Verschmutzung erheblich vermindert, die Reinigung der Fenster erleichtert und endlich können zu senkrechten Fenstern die üblichen billigen Holz- und Stahlfenster mit eingekittetem Glas Verwendung finden.
Wird andererseits das Glas schräg gestellt (Bild 340 b und e), so müssen seine Flächen kittlos gedichtet, die Sprossen in Metall ausgeführt werden.
Kittlose Dächer bestehen aus 6-8 mm starken Drahtglastafeln, die bis zu 80 cm breit und 3 m lang sein können. Sie werden von Sprosseneisen getragen, welche eine rostfreie Deckleiste über dem seitlichen Stoß der Glastafeln festhalten.
Die Sprosseneisen fangen etwa eindringendes Wasser auf und führen es zusammen mit dem bei einfachen Glasflächen unvermeidlichen Schwitzwasser am untern Ende der Glastafeln nach außen in die Kehlrinne ab (Bild 341 bis 344).
Da die Sprosseneisen ständig naß werden und dabei häufig Rauch- und Fabrikgasen ausgesetzt sind, müssen sie besonders sorgfältig gegen Rost geschützt werden. Sie werden daher von Fachbetrieben für Glasbedachung meist verzinkt häufig sogar emailliert geliefert.
Die Rinnen der Sägedächer sind besonders geräumig zu halten. Sie werden meist mittelst gußeiserner Rohre durch die Fabrikräume entwässert.
Erfolgt die Entwässerung an den Giebeln, so muß dem Auslauf der Rinnen besondere Aufmerksamkeit geschenkt werden. Dort wird die Rinne nicht mehr von unten her erwärmt. Daher gefriert dort das Wasser leicht fest und staut dann den Rinneninhalt zurück.
Bild 340. a) bis e) Dachformen für Oberlichtbeleuchtung im Industriebau.
a) Aufgesetzte Laternen mit senkrechten Fenstern; einfache Dichtung (Holzfenster mit Kittfalz), einfache Reinigung, geringe Verschmutzung, Lichteinfall ungünstig, luftschutztechnisch günstig.
b) Sägedach. Glas gegen Norden, Lichteinfall günstig, kittlose Sonderausführung nötig, luftschutztechnisch ungünstig.
c) Sägedach. Glas gegen Norden, Lichteinfall etwas ungünstiger als bei b), sonst Vorteile wie a).
d) Aufgesetzter Oberlichtstreifen. Hier ist kittlose Sonderausführung der Glasflächen nötig, luftschutztechnisch ungünstig.
e) Längsschnitt zur Oberlichtanordnung d).
Bild 341. First eines Glasdaches.
Bild 342. Rinne eines Sägedaches.
Bild 343. Kittloses Glasdach und begehbare Kehlrinne mit Laufrost gegen Schneeverwehung.
Bild 344. Sprossen für kittlose Glasdächer.

