Das Leistendach
Diese Art der Dachdeckung erfolgt auch auf Schalung. Sie unterscheidet sich von der Falzdeckung aber dadurch, daß nebeneinander liegende Scharen nicht direkt durch Falz verbunden sind, sondern je eine Holzleiste, die ebenfalls mit Blech abzudecken ist, dazwischenliegt. Jeder Blechtafel ist dadurch die Möglichkeit gegeben, zu arbeiten, ohne daß benachbarte Deckbleche in Mitleidenschaft gezogen werden. Für Zinkblecheindeckung ist diese Deckung besonders geeignet, denn Zink arbeitet von allen Metallen am stärksten. Diese Art der Eindeckung ist dort zu empfehlen, wo es sich um große Dachflächen handelt und die Dachneigung gering ist. Eine Dachneigung mit einem Neigungswinkel unter 15° ist auch für diese Eindeckung möglichst zu vermeiden. Oberster Grundsatz ist, daß möglichst wenig mit dem Lötkolben gearbeitet und daß das Blech nirgends beim Arbeiten gehindert wird.
Im allgemeinen rechnet man auf je einen qm Dachfläche einen lfdm Leiste. Die Leisten sind aus gerade gewachsenem, trockenem Holz geschnitten mit trapezförmigem Querschnitt (Abb. 57), Deckhaften aus verzinktem Eisenblech oder aus starkem Weißblech werden hergestellt. Für die Befestigung der Deckbleche an der Traufkante sind weiterhin Vorstoßstreifen in 15 bis 20 cm Breite zu schneiden, oder es ist ein Traufstreifen mit Vorsprung (Abb. 58), der direkt in die Einkantung der Dachrinne einzuhängen wäre, zu richten. Das Format der Deckbleche ist meist 1 x 2 m und ihre Stärke Nr. 12 bis 14; bei größeren Stärken dürfte ein kleineres Format zu empfehlen sein mit Rücksicht auf die Befestigung. Diese Deckbleche erhalten auf den Breitseiten je einen Falz angebogen, und zwar den einen nach oben in einer Breite von 25 bis 30 mm und den anderen nach unten 23 bis 28 mm breit, sodann an den Langseiten je eine Aufkantung von 30 bis 35 mm Breite. Damit beim Anbiegen der Aufkantung der zuerst gebogene Falz nicht zugedrückt wird, legt man einen 4 bis 6 mm starken Lederriemen oder einen starken Aluminiumblechstreifen an der gefährdeten Stelle in den Falz.
Am Gebäude selbst wird nach dem Annageln der Vorsprungstreifen danach gesehen werden müssen, wie die Schareneinteilung gestaltet wird, ob z. B. bei trapezförmiger oder dreieckiger Dachfläche eine Schar oder eine Leiste in die Mitte der Dachfläche zu liegen kommen muß. Dann kann mit der Befestigung der Leisten begonnen werden. Dabei ist darauf zu achten, daß dieselben rechtwinklig zur Traufe und in gerader Linie von der Traufe nach dem First verlaufen. Von der Vorderkante des Vorstoßstreifens wird man nur etwa 1 cm zurückfahren (Abb. 58) und dann mit genügend langen Drahtstiften in Entfernungen von etwa 40 cm aufnageln, wobei die zum Niederhalten der Scharen notwendigen Haften gleich mitbefestigt werden. Eine Lehre aus Holz oder Eisen wird benützt, um den richtigen, gleichen Abstand von Leiste zu Leiste festzulegen. Dieser Abstand ist so zu wählen, daß zwischen Schar und Leiste durchweg je ein Zwischenraum von ½ bis 1 cm bleibt, der für das Arbeiten der Deckbleche vollständig genügt. Es kann aber auch bei der Eindeckung mit dem Auflegen und Befestigen einer Schar begonnen werden. An diese legen sich dann erst die Leisten rechts und links. Die Leistenenden an der Traufe erhalten eine Abschrägung.Über diese legt sich eine Kappe aus verzinktem Eisenblech (Abb. 58). Unten wird die Kappe in den Vorstoßstreifen eingehängt, oben auf der Leiste und rechts und links von ihr angenagelt. Das nun aufzulegende erste Deckblech wird unten eingehängt und die eingelötete Mittelhafte oben mit 2 breitköpfigen Drahtstiften angenagelt. Weiterhin dienen der Befestigung 2 Haften, die rechts und links von der Mittelhafte ziemlich nahe der Leiste in den Querfalz der Tafel eingehängt und auf der Schalung angenagelt sind. Werden dann noch die Leistenhaften über die Aufkantungen des Deckbleches abgebogen, so ist dieses richtig und gut befestigt. Eine Ausdehnung in der Längsrichtung ist der Tafel nach unten möglich, ein Arbeiten in der Breitenrichtung muß von der angelöteten Mittelhafte nach beiden Seiten erfolgen und wird durch die nur eingehängten Deckhaften und die unten schmälere Leiste nicht gehindert. Nun kann die zweite Tafel mit ihrem nach unten gebogenen Falz in den Querfalz der ersten eingehängt und geradeso befestigt werden. Hernach wird der Querfalz nur leicht angerichtet und nicht zugeschlagen, damit sich das Wasser nicht hochziehen kann. Bei geringen Dachneigungen wäre dies aber doch zu befürchten. Dort muß man sich mit einem Notfalz genügende Überdeckung schaffen. Diese Notfalze erfordern aber bedeutend mehr Material. Sie werden daher dort, wo die fertig gedeckten Dächer nach dem Flächeninhalt bezahlt werden, vom Klempner selten angewandt. Da werden meist sämtliche Quernähte verlötet und so sämtliche Tafeln einer Schar zusammengehängt. Gegen Abrutschen werden die einzelnen Tafeln mit 2 Drahtstiften ziemlich seitlich am oberen Rand genagelt. Dadurch ist eine Ausdehnung verhindert. Bald zerreißen die Nagelköpfe das spröde Material, und die ganze Schar rutscht nach der Dachrinne ab. Die Anordnung eines Notfalzes wäre also mindestens nach 2 oder 3 aneinandergelöteten Tafeln wieder notwendig. Auch könnte auf die angelötete Mittelhafte nicht verzichtet werden, weil mehrere aneinandergelötete Tafeln so stark abwärts ziehen, daß die Falze der nur eingehängten Haften sich aufbiegen würden und dann doch ein Abrutschen erfolgt. Wird dann mit dem Eindecken der Nachbarschar begonnen, so schiebt man die Wulste beziehungsweise Falze für das Einhängen am Vorstoßblech etwa 4 cm breit ineinander, biegt die Aufkantungen der Tafeln je über die abgeschrägten, mit Kappen versehenen Leistenenden und schweift sie unter Umständen leicht, damit die zwischen Leistenende und Traufkante entstehende kurze Naht gut anliegt; sie darf aber nicht gelötet werden (Abb. 59). Es wäre also falsch, wenn durch Verlöten alle Tafeln der Traufkante entlang zusammengehängt würden; ein Arbeiten der einzelnen Tafeln wäre unmöglich, die Naht würde aufgerissen oder es würden sich Blasen, Beulen und Falten bilden. Das oberste Deckblech der Schar muß nach Anpassung an First- beziehungsweise Gratleiste auch oben herüber eine 3 bis 4 cm breite Aufkantung erhalten. Die Ecken, von dieser und von den seitlichen Aufkantungen gebildet, müssen gut verlötet oder als Pfannenfalze hergestellt werden. Dieses obere Deckblech muß auch mit den an First- beziehungsweise Gratleisten sitzenden Haften gut verlötet werden (Abb. 59). Nun müssen noch die Leisten abgedeckt werden. Dazu benützt man in der Werkstatt vorgerichtete oder fertig eingekaufte, mit Falz versehene Zinkdeckleisten in Stücken von 1,00 m Länge. Die Zinkdeckleiste, mit der man an der Traufkante die Überdeckung der Holzleisten beginnt, wird beiderseits so eingeschnitten, daß eine Kappe über das Leistenende gebildet werden kann. Die Deckleiste wird dann so eingeschoben, daß die an den Holzleisten zum Niederhalten der Deckbleche sitzenden, abgebogenen Haftenenden in die Falze der Deckleisten greifen, wodurch auch sie niedergehalten werden. Die Unterkante des Leistenfalzes muß vom Deckblech etwa 1 cm entfernt bleiben, daß sich kein Schmutz ansetzen kann und dadurch Wasser emporgezogen werden könnte. Nachdem das untere Ende der Deckleiste über die Traufwulst gebogen und das obere auf der Holzleiste festgenagelt ist, wird das zweite Stück eingeschoben, das die genagelte Stelle des zuerst befestigten genügend weit überdeckt und am oberen Ende wieder genagelt wird. Jedem Stück ist es so möglich, sich auszudehnen beziehungsweise zusammenzuziehen. Die Breite der Überdeckung an den Stößen wird sich der Dachneigung anpassen müssen, weil sich sonst bei ungenügender Überdeckung das Wasser hochzieht. Ein Verlöten sämtlicher Stücke ist zu vermeiden.
Für die Herstellung des Anschlusses an die First- beziehungsweise Gratleisten wird am oberen Ende der Deckleiste 2 bis 3 cm eingeschnitten und nach rechts und links ein Lappen abgebogen, so daß diese Abkantungen an den Scharecken nach innen überstehen. Das oben stehengebliebene Stück des Deckleisten-Endes greift auf die Grat- beziehungsweise Firstleiste und wird dort angenagelt. Auch hier darf nicht verlötet werden. Zuletzt werden die Deckleisten an den Grat- und Firstlinien übergeschoben. Dieselben müssen entsprechend den anschließenden Leisten Einschnitte erhalten und je etwa 4-6 cm lange Winkel angelötet bekommen; dadurch läßt sich über die Anschlußstelle eine dicht schließende Kappe bilden (Abb. 61). Wenn Anschlüsse der Leisten an Mauern und Kaminen notwendig werden, so muß die in Abbildung 62 angegebene Konstruktion angewendet werden, wenn nicht ein Abreißen der direkt mit der Verwahrung verlöteten Deckleisten, wie es vielfach unrichtigerweise gemacht wird, eintreten soll.
Die vorher beschriebene Eindeckweise wird als belgische oder rheinische bezeichnet und hat sich immer gut bewährt. Sie ist jedenfalls anderen Systemen (französischer, Berliner und deutscher Eindeckung) vorzuziehen (Abb. 63).

